So wie’s mir mein Großvater erzählt hat, und wie’s ihm sein Großvater erzählt hat.
Es war in einer Zeit, als das Land schon lange tot war, nur dass es noch niemand begraben hatte. Die Felder standen leer, der Himmel war grau, und selbst die Raben blieben fort, weil’s nichts mehr zu fressen gab. Die Menschen hungerten, Kinder weinten sich in den Schlaf, und jede Nacht trugen sie die Toten hinaus.
Der König, ein Mann mit Augen wie zwei Löcher im Boden, suchte Rat bei den Priestern, den Weisen, sogar bei den Hexern. Keiner konnte ihm helfen. Da ging er, so sagen’s die Alten, in der dunkelsten Nacht hinauf auf den Hügel, wo keiner je zu gehen wagte. Dort flüsterte er seinen Wunsch in die Finsternis:
„Mach, dass mein Volk nie mehr den Tod fürchten muss.“
Und etwas antwortete. Kein Gott, kein Geist, sondern er: Der Schweigende Hunger. Er versprach dem König, dass niemand mehr fortgehen müsse, dass alle bleiben würden, für immer. Der Preis? Danach fragte der König nicht.
In derselben Nacht schlug der König die Trommel aus Menschenhaut, wie’s ihm geheißen wurde. Drei Mal. Beim ersten Schlag hörten alle Toten im Land den Ruf. Beim zweiten erhoben sie sich aus der Erde. Beim dritten öffneten sie die Augen – leer wie der Himmel über dem Land.
Seitdem ist der Tod hier nicht das Ende, sondern nur der Anfang von etwas Schlechterem. Die Alten sagen: Wer im Land des Hungers stirbt, findet keinen Frieden. Er steht wieder auf, mit Knochen so kalt wie der Winter und einem Magen, der nie satt wird.
Manche flüstern, dass der Schweigende Hunger inzwischen in allen Ländern und Reichen umgeht, und dass er auf den Tag wartet, an dem alle Lebenden ihm gehören.
Und weißt du, Junge – vielleicht sitzt er gerade hier, in dieser Taverne, und hört uns zu.
~ Für Spieler und Spielleiter ~
Es ist nicht klar, woher die Untoten stammen und ob diese Legende wirklich wahr ist.
Vielleicht ist der „Schweigende Hunger“ aber auch ganz reale Gefahr und ein wirkliches Wesen, wie z.B. ein Dämon der Leere.

